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Finca El Renegado
Spanischer Tempranillo aus dem Aldi
► Ich weiß, die Subheadline klingt langweilig, aber vielleicht passt sie so besser, denn irgendwie habe ich zu diesem spanischen Rotwein wenig Ideen, bin da gerade echt einfallslos - oder vielleicht enttäuscht?
Ich lass den Bio-Tropfen noch ein bisschen atmen, wie in der Falstaff-Bewertung empfohlen, wo er ganze 89+ Punkte abgeräumt hat. 'Abgeräumt' kann man schon sagen, wenn eine Pulle für 3,99 € ganze 89 Punkte von den Kollegen bekommt, oder?
Nach 2 Gläsern, die ein wirklich sehr gutes Kürbiskernbrot mit Blauschimmel und Cocktailtomaten etwas abmildern konnte, fällt es mir schwer, moderat zu bleiben. Ich frage mich, ob man beim weintrinken nicht genauso laut werden darf wie im Auto nach der Tempo-30-Zone, nach der man auf 50 km/h beschleunigen darf und das Gefühl nicht los wird, dass der Typ im Wagen vor einem, der immernoch hartnäckig mit 30 vor sich hin trottelt, während der Fahrt seine Whatsapp-Nachrichten liest.
Aber ich will nicht zu sehr ins Boulevardeske abschweifen. Insofern mach ich mich mal gerade und sortiere die Fakten. Wir haben hier:
- Cuvée aus Tempranillo- und Bobal-Trauben
- Weinbaugebiet Utiel-Requena (nahe Valencia)
- 108 Bodegas
- 94% Rotwein
- Hauptsächlich Bobal, wenig Tempranillo
- kalkige Böden
- kontinentales Klima
Das heißt in dem Fall kalte Winter, sehr heiße Sommer.

Ein fast unauffälliger Geruch
Keine intensiven Noten, dennoch alles alte Bekannte, rote Beeren, leichte Würze, etwas Kirsche, etwas Leder, und ja, ich trau es mich zu sagen: Weinmost. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich gerade im Keller war und an meiner eigenen Rotwein-Maische geschnuppert habe, aber tatsächlich erinnert mich der Geruch auch an Traube, bzw. deren Most. Der Geruch ist ok, etwas unspektakulär, unaufffällig. Aber das heißt ja erst mal nichts.
Ein einzigartig langweiliger Geschmack
Der erste Schluck, so oft ich ihn auch wiederhole, macht so ziemlich nichts mit mir. Da hilft kein herumspülen im Mund und auch kein Sauerstoff hineinziehen. Neutrale Tannine, wenig Frucht, trockene Würze, entkräftete Struktur, wässrige Unreife, wenig aussagekräftiges Gesamtbild. Da fehlt einfach was. Vermutlich der Wein. Das ist mir ehrlich gesagt zu unmotiviert, zu roh, zu substanzlos.
Ein Abgang wie eine Bestattung bei Regen
Ich möchte etwas klarstellen: diese Tempranillo-Cuvée tut nicht weh und es gibt bestimmt viele Weine, die sehr viel schlechter sind. Vielleicht gibt es Menschen, die diesen sehr trockenen, knarzigen und durchaus mineralischen Wein gut finden. Ihr habt wirklich meinen Segen, denn Wein trinken ist und bleibt Geschmackssache. Daher hier, wie immer, wirklich nur MEINE Wahrnehmung: Ein Abgang wie eine Bestattung bei Regen - traurig und ungemütlich, karg und wässrig. Man wartet auf den Leichenschmaus; oder in meinem Fall: auf einen heißen Tee.
Ich habe mich ja schon öfter über den Kollegen Luca Maroni und seine Bewertungen ausgelassen, aber Fallstaff ist ihm, nur mein Eindruck, wirklich dicht auf den Versen. Abgesehen davon, dass die Angaben zu Alkoholgehalt und Region auf der Page falsch sind, kann man mit Akribie oder Fantasiebegabung immer etwas mehr herausschmecken. Aber letztlich trinkt man doch nicht, um in einem Wettstreit darüber zu brillieren, was man alles wahrnehmen kann. Ich möchte schlicht und ergreifend einen schmackhaften Wein genießen, zum Essen, zum Feierabend, zum Spaß.
Wenn ich das erste Glas nach einer längeren, alkoholfreien Zeit trinke, schmeckt mir der Wein meistens sehr gut. Immer vorausgesetzt, es handelt sich auch um einen passablen Wein. Und ich bin selbst Schuld, wenn ich mir heute dieses Genusserlebnis mit dem Finca El Renegado kaputt gemacht habe. Wie wahrscheinlich viele andere bin ich auf eine schönes Cover und eine gute Falstaff-Bewertung hereingefallen. Ok, kann passieren. Aber wenn du gerade im Aldi bist und nur einen Euro mehr hast, dann nimm den Pavonero Primitivo mit. Der ist zwar halbtrocken, aber den kann man ganz gut trinken.
Und schade eigentlich, dass das Foto von der Flasche hier das beste am Finca El Renegado ist.
Rotwein Finca El Renegado
Rebe: Tempranillo, Bobal
Jahrgang: 2024
Region: Valencia
Alkohol: 12.5 %
Bezugsquelle: Aldi
Preis: 4,00 €
Schulnote: 4 / 2 Sterne von 5
Passende Musik zum Wein
