MS veröffentlicht im
Laufer Gut Alsenhof
Badischer Spätburgunder vom Weingut Freiherr von und zu Franckenstein
► Dieses Weingut ist vielfach prämiert, VDP-klassifiziert, seit 2024 offiziell ein Bio-Betrieb und blickt auf eine lange Tradition zurück. Erste urkundliche Nennung im Jahr 1493. Besitzer waren neben den Rittern von Bach diverse Adelsfamilien und seit ca. 300 Jahren die Freiherrn von und zu Franckenstein. Und nun, als Pächter, die Familie Huschle.
Insgesamt nun die dritte Flasche, die ich von dem Weingut, dessen Chef Stefan mich mit sechs Flaschen reichlich bemustert hat, verkosten möchte. Vorangegangen war ein Weißburgunder und ein Spätburgunder, die ich für das Ortenau Journal ausgetrunken habe. Aus der Schwarzwälder Ortenau, genauer gesagt aus Offenburg, stammt auch dieser Spätburgunder, der vor mir auf dem Gartentisch steht. Zu Besuch eine von mir geschätzte Kollegin mit eindeutiger Vielverkostungs-Expertise, die auch an einem relativ warmen Sommertag keine Angst vor einem Rotwein hat. Sie sieht schon an der Farbe, dass der Wein etwas lagern durfte. Jahrgang 2019, dass war ein trockener Sommer mit geringen Erträgen, der aber dennoch sehr gute Tropfen hervorbrachte.
Vielschichtige Düfte
Genug philosophiert, die Gläser sind zu einem Drittel gefüllt und wir starten durch. Riecht interessant. Beeren und Vanille, aber nicht dominant. Meine Kollegin nimmt sofort etwas Holziges wahr, ganz klar das Barrique. Außerdem eine rauchige Würze, vielleicht Schinken, vielleicht auch das Holz, irgendwie sowas.
Vom Geschmack her trocken, mineralisch, kompakt
Nach dem ersten Schluck schauen wir uns an, in einem sind wir uns sofort einig: Wir haben etwas anderes erwartet. Dieser Rotwein ist knochentrocken. Zu diesem Zeitpunkt kenne ich den geringen Restzuckergehalt noch nicht und finde ihn fast ein bisschen säuerlich. Die Holznoten sind noch da, die Vanille sowie jegliche Frucht ist wirklich nur noch weit entfernt zu erahnen, vielleicht ist da noch ein bisschen Kirsche, aber dafür muss man wirklich fantasiebegabt sein. Die Kollegin findet ihn pelzig, kommt mit den Eindrücken noch gar nicht klar, verortet beim Thema Frucht eventuell etwas Johannisbeere, aufgrund der Säure. Kein einfacher Wein, muss ich sagen. Für mich fast ein Exot (dass ich das mal über einen Spätburgunder sage). Auf keinen Fall der weiche, kuschelige und schwere Rotwein für einen Winterabend am Kamin. Eher ein mineralischer, den Boden wiedergebender, kantiger Rotwein für Freunde, die diese Eigenschaften zu schätzen wissen.
Fazit & Bewertung: Ein Wein für Kenner
Im Abgang kommt er nochmal, finde ihn fast intensiver als am Gaumen. Mein Pendant wiederspricht, sagt einen Satz, den ich noch nie gehört habe: 'ich finde, er hört im Mund auf'. Ich hingegen meine, dass sie dem Wein Unrecht tut. Typisch, die Erwartungshaltung der trendigen Großstadtklientel, verseucht von halbtrockenem Primitivo, den es in jedem Supermarkt und in jeder Pizzeria gibt ;-)
Wir haben den Wein dann aber noche eine Weile stehen lassen und später mit etwas Käse und Brot genossen, da hat er tatsächlich draufgelegt. Ich denke, er ist als Speisebegleiter, der vorher etwas geatmet hat, nochmal besser.
Also, werte Freunde, das hier ist schon ein spezieller Tropfen, keine Frage. Und absolut kein Mainstream. Bekommt einen Bonus für Authenizität und ambitioniertes Winifizieren, aber ich vergebe keine Note, das würde dem Wein nicht gerecht werden. Da es aber in jedem Fall ein interessantes Verkostungserlebnis war, bekommt er als zweiter Wein (nach dem 'Herrenhof Lamprecht Furmint vom Sandstein', auch ein wirklich abgefahrenes Zeug) das Exotenlabel. Hier schmeckst du den Gneis, den Sandsteinboden, die verwitterten Steine. Die entsprechenden Kenner werden ihm in jedem Falle einiges abgewinnen können. Und dennoch - darauf muss man stehen. Mir geht es so, dass die Frucht am Ende des Tages doch ein wenig zu kurz kommt und ich ihn als ein wenig dünn empfinde.
Rotwein Laufer Gut Alsenhof
Rebe: Spätburgunder
Jahrgang: 2019
Region: Baden
Alkohol: 13 %
Restzucker: 0.6 g
Säure: 5.9 g
Bezugsquelle: Weingut von und zu Franckenstein
Preis: 21 €
Schulnote: X
Sterne: X
Passende Musik zum Wein
