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Parcela 11 Finca del Tuerto
Aldi-Rotwein mit Wildsau: Geheimtipp oder überbewerteter Blender?
► Der Parcela 11, Finca del Tuerto aus dem Aldi-Regal fiel mir sofort wegen seines stylischen Etiketts auf, mit goldener '11' und Wildsau im Vollsprint. Irgendwo zwischen rustikal und geschniegelt – fast so, als hätte jemand Jagdhütte und Designerboutique fusioniert. Eine Rotwein-Cuvée aus Monastrell, Syrah und Petit Verdot von der Ego Bodegas aus dem bekannten Weinbaugebiet Jumilla im Südosten Spaniens. Die meisten Weine der Bodega sind preislich in moderatem Rahmen, aber dennoch mit ordentlich Prämierungen: 90 Punkte von James Suckling, Gold bei Mundus Vini usw. – klingt nach großem Kino für wenig Geld. Abwarten.

Duftprofil: Fruchtig, würzig – aber ohne große Überraschung
Beim ersten Schnuppern wird schnell klar: Hier geht's nicht um Revolte, sondern eher um einen braven Bürotiger. Rote Beeren, ein Hauch Würze, dazu ein leicht holziger Einschlag – alles da, alles bekannt und soweit ok. Das typische, schwere Aromenspiel aus Leder und Asphalt, das viele kräftige Rotweine mitbringen fällt hier angenehmer Weise flach. Stattdessen bleibt der Finca del Tuerto eher auf der freundlichen Seite des Lebens. Angenehm, zugänglich – aber eben auch ein bisschen zu brav, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.
Geschmack: Würziger Einstieg, aber noch nicht ganz angekommen
Am Gaumen legt er würzig los, die Tannine sind präsent, vielleicht sogar einen Tick zu kantig. Der Wein kratzt an der Tür zum Vollmundigen, kommt aber nicht ganz rein. Die Struktur wirkt noch nicht komplett rund, eher ein bisschen „in Arbeit“. Die Säure meldet sich deutlicher als nötig, die Frucht ist da, aber könnte mehr Bühne vertragen. Man hat das Gefühl: Gib ihm Luft. Oder Zeit. Oder beides. Aktuell wirkt er ein kleines bisschen zu roh für das, was er sein will.
Fazit & Bewertung: Viel versprochen, nicht ganz soviel geliefert
Der Abgang? Unauffällig. Kein Drama, kein Finale mit Applaus – eher ein höfliches Nicken und dann ist er weg.
Die auf der Bodega-Seite beschworenen 'gerösteten Erinnerungen an Vanille, Zimt und Kokosnuss' befremden mich. Das muss definitiv ein anderer Wein sein. Unterm Strich: Ein trinkbarer Rotwein, der einiges richtig macht, aber wenig richtig gut. Etwas zu wenig Charakter, etwas zu viel Säure. Etwas zu früh auf die Flasche gezogen? Die 90 Punkte von James Suckling sind für mich nicht nachvollziehbar, eindeutig überbewertet. Okay, aber nur fast lecker.
Rotwein Parcela 11 Finca del Tuerto
Rebe: Monastrell, Syrah und Petit Verdot
Jahrgang: 2025
Region: Jumilla
Alkohol: 14 %
Bezugsquelle: Aldi
Preis: ca. 5,00 €
Schulnote: 3 / 3 Sterne von 5
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